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 Seit ich denken kann trifft sich meine Familie am Samstag vor dem 1. Advent zum gemeinsamen Adventskranz-Binden. Mal im kleinen und mal im großen Kreis. Zunächst bei uns im Elternhaus, dann bei meinem Bruder und seiner Familie.

Früher, als wir noch bei meinen Eltern den Kranz gebunden hatten, ging mein Vater einfach in den Garten und schnitt für uns alle verschiedene Tannenzweige ab. Damit konnten dann immer mindestens vier Haushalte Kränze, Girlanden und auch Grabschmuck binden.

Als wir dann angefangen haben, uns bei meinem Bruder zu treffen, mussten wir die Tannenzweige tatsächlich kaufen. Das war eine große Umstellung. Gar nicht wegen dem Finanziellen. Eigentlich eher wegen der Tatsache, dass man nicht raus in den Garten gehen kann und Berge an Zweige abschneiden kann – ohne dass man es überhaupt gesehen hätte! Daher rief ich eine neue Tradition ins Leben: Vor dem Kranz-Binden verabredeten wir uns zum Waldspaziergang. Dort sammelten wir vom Boden Zweige, Moos, Nüsse und Beeren, die wir alle später in unseren Kränzen als Hightlight einsetzten.

Da ich die Zeit mit meiner Familie immer sehr genieße, rief ich dieses Jahr zum Herbstkranz-Binden auf. Im engsten Familienkreis trafen wir uns in der Früh zum Herbstspaziergang durch den Wald. Wir hatten mit dem Wetter Glück und konnten bei herrlichem Sonnenschein Moos, Zweige, Beeren und Gräßer sammeln (Stichwort Blumenstrauß-Regel). Sowohl Alt als auch Jung hatten an der frischen Luft viel Spaß. Doch nach ca. 2 Stunden waren wir alle leicht angefroren und machten uns auf den Heimweg. Zuhause wärmten wir uns an einer heißen Kürbissuppe auf und machten uns dann im Garten ans Kranzbinden. Der Herbsttag war so mild, da machte es richtig Freude die Kränze im Freien zu binden.

An diesem Tag konnte ich mir drei Kränze und einige kleine Gestecke binden. 

Dank des milden Winters sahen die Herbstkränze selbst noch Ende November wunderschön aus. Also Beschloss ich ein „Upcycling“ der alten Herbstkränze vorzunehmen. Denn warum sollte ich die schönen Kränze wegwerfen?!? Ich besorgte mir für kleines Geld goldene Glitzersterne und glitzernde „Merry Christmas“-Anhänger bei Kik und veredelte damit meine beiden Türkränze. Hierfür habe ich vollkommen unkompliziert mit Heißkleber gearbeitet. Der Herbstkranz am Gartentor sah leider nicht mehr so schön aus. Hier hatte ich viele Laubblätter verarbeitet, die vertrocknet nicht mehr so schön aussahen.

Lesson learned 1:

Wenn du einen Herbstkranz später einmal zum Weihnachtskranz umwandeln möchtest, dann verwende lieber keine Herbstblätter.

Die damals übrig gebliebenen Zweige, Nüsse, Zapfen und Beeren hatte ich zum Weiterverarbeiten noch draußen in unserem Unterstand liegen lassen. Diese sollten nun auch final verarbeitet werden. Also verteilte ich diese auf diverse Vasen und Schalen im ganzen Haus. Darunter auch in Vasen über einer Heizung…

Lesson learned 2:

Wenn du Disteln an deinen Türkranz verwendest, dann sollte der Kranz auch besser draußen bleiben. Wärme kann diese zum „Explodieren“ bringen und du hast überall weiße Distelsamen herumschweben.

Nachdem das Herbstkranz-Binden so ein schönes Event für die ganze Familie war, plante ich bereits ein großes Adventskranz-Binden. Es sollte wieder einen Waldspaziergang geben, danach ein heißes Mittagessen, ein kleines Lagerfeuer, Punsch und ganz viele Plätzchen. Doch leider wurde ein 2. Lock Down (light) ausgerufen und es war klar, dass ein großes familiäres Treffen nun unmöglich war.

Was macht man in solchen Situationen? Entweder man steckt den Kopf in den Sand und ist traurig oder man sucht nach Alternativen. Für uns hieß dies eine Weihnachts-Whats-App-Gruppe zu gründen. In dieser teilte ich nun jeden Tag ein paar neue Deko-Elemente von mir Zuhause, teilte Plätzchenrezepte und rief zum gemeinsamen Adventskranz-Binden auf. Whats App machte es so am Samstag vom dem 1.Advent möglich, dass wir dieses Jahr in einer noch größeren Gruppe „gemeinsam“ einen Adventskranz binden konnten. Jeder in seinem eigenem Tempo. Aber alle im Herzen vereint. Ist das nicht schön? Es ist doch immer besser eine Chance zu erkennen, als Dingen hinterher zu trauern.

Und dieses Jahr machte ich mit meiner Schwägerin einen Waldspaziergang. Nicht am Samstag, sondern am Freitag. Vielleicht der Anfang einer neuen Tradition. Wer weiß!?!